Wetter

Wie gerechnet wird

Die meisten Wetterseiten zeigen eine Zahl und verschweigen, woher sie kommt. Diese hier führt 11 Wettermodelle zusammen und legt für jeden Tag offen, welches Modell was gemeldet hat, wie stark es gewogen wurde und was verworfen wurde. Was hier steht, ist keine Werbung für das Verfahren — es ist die Bedienungsanleitung dazu, samt seiner Grenzen.

Der Grundgedanke

Kein Wettermodell ist überall am besten. Das ECMWF-Modell ist in der Mittelfrist stark, ICON und MOSMIX kennen Deutschland genauer, GFS ist frei verfügbar und rechnet oft anders als die europäischen Modelle. Wer nur eins davon anzeigt, übernimmt dessen Schwächen ungefiltert. Wer alle mittelt, verwischt echte Unterschiede und lässt sich von einem kaputten Wert verschieben.

Deshalb: gewichtet zusammenführen, Ausreißer robust erkennen, und die Uneinigkeit als eigene Information mitliefern. Wenn sich die Modelle nicht einig sind, sollst du das sehen — statt einer scheinbar sicheren Zahl, hinter der sich eine Bandbreite von acht Grad versteckt.

Woher die Daten kommen

Alle Vorhersagen werden stündlich abgerufen und im Stundenraster verarbeitet. Fremde Tageswerte werden bewusst nicht verwendet: Anbieter definieren Tagesgrenzen unterschiedlich (UTC-Mitternacht gegen Ortszeit) und „Regenwahrscheinlichkeit des Tages" mal als Maximum, mal als Mittel. Wer solche Tageswerte mischt, misst am Ende die Unterschiede der Definitionen statt der Unterschiede der Modelle — und das Maß für die Einigkeit wäre schlicht falsch. Die Tage werden deshalb hier gebildet, in der Zeitzone des angezeigten Ortes.

ModellBetreiberAuflösungBasisgewichtHerkunftsgruppe
ECMWF IFS Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage 25 km, global 1,00 ecmwf
MOSMIX Deutscher Wetterdienst (über Bright Sky) Stationsvorhersage (statistisch nachbearbeitet) 1,00 mosmix
ICON Deutscher Wetterdienst 2–7 km (Europa) 0,95 icon
Locationforecast MET Norway (Yr) 1 km (Nordeuropa), sonst global 0,90 metno
UM UK Met Office 2–10 km 0,90 ukmo
ARPEGE/AROME Météo-France 1,3–11 km 0,85 mf
HARMONIE KNMI (Niederlande) 2 km (Benelux/Nordsee) 0,85 knmi
HARMONIE DMI (Dänemark) 2 km (Nordeuropa) 0,85 dmi
GFS NOAA (USA) 13 km, global 0,80 gfs
GEM Environment Canada 15 km, global 0,75 gem
GSM/MSM Japan Meteorological Agency 5–55 km 0,70 jma
OpenWeather OpenWeather Ltd. eigener Blend 0,60 owm — nur mit hinterlegtem Schlüssel
WeatherAPI WeatherAPI.com eigener Blend 0,60 wapi — nur mit hinterlegtem Schlüssel

Die Basisgewichte sind eine redaktionelle Einschätzung — abgeleitet aus veröffentlichten Verifikationsergebnissen der Betreiber und aus der räumlichen Auflösung, aber nicht aus einer eigenen, laufenden Fehlermessung. Das ist ehrlich so zu sagen: Sie sind begründet, aber sie sind kein Beweis. Wer sie ändert, ändert die Vorhersage — und diese Tabelle ändert sich dann automatisch mit, weil sie aus derselben Datei kommt, aus der der Server rechnet.

Warum manche Modelle sich einen Platz teilen

Einige der Reihen stammen aus derselben Quelle: Verschiedene Anbieter verarbeiten dasselbe Grundmodell weiter. Zählte man sie als getrennte Meinungen, stimmte dieses Modell mehrfach ab, die Streuung schrumpfte künstlich — und die Seite behauptete eine Einigkeit, die es nicht gibt.

Deshalb hat jedes Modell eine Herkunftsgruppe, und wenn k Mitglieder einer Gruppe mitrechnen, bekommt jedes davon den Faktor 1/√k. Und für die Frage „wie viele unabhängige Meinungen sind das eigentlich?" wird die Kish-Formel über die Gruppen gerechnet, nicht über die Modelle. Der Unterschied ist erheblich: Bei vier Modellen aus zwei Familien kommen so rund 1,9 unabhängige Meinungen heraus statt der geschönten 3,7, die eine Rechnung über die Einzelmodelle liefern würde. Diese Zahl steht im Details-Panel jedes Tages.

Ausreißer: MAD statt Quartile

Bei vier bis acht Werten sind Quartile schlecht definiert — die übliche IQR-Regel taugt hier nicht. Stattdessen die mittlere absolute Abweichung vom Median: σ̂ = 1,4826 · median(|xᵢ − med|), und ein Modell fliegt heraus, wenn |xᵢ − med| / σ̂ über der Schwelle liegt.

Drei Sicherungen gehören dazu, und alle drei sind nicht optional:

Niederschlag rechnet anders

Der Mittelwert von {0, 0, 0, 0, 12 mm} ist 2,4 mm — ein Tag, den niemand erlebt. Schlimmer noch: Die MAD wäre null, und ausgerechnet das eine Modell mit der interessanten Information flöge als „Ausreißer" heraus.

Deshalb zweiteilig (Hurdle-Modell): Zuerst der gewichtete Anteil der Modelle, die überhaupt Nässe sehen — das ist die Chance. Dann das gewichtete geometrische Mittel nur über diese nassen Modelle — das ist die Menge, wenn es regnet. Angezeigt wird beides: „40 % Chance, dann 2–7 mm" statt eines erfundenen „0,8 mm".

Das Wettersymbol wird abgestimmt, nicht gemittelt

Ein Mittelwert über Wettercodes ist Unsinn: Der Mittelwert von „klar" und „Gewitter" wäre „Niesel". Abgestimmt wird deshalb zweistufig — erst über die Gruppe (trocken / nass / gefroren / Gewitter, also die Entscheidung, die du wirklich triffst), dann über die genaue Klasse innerhalb der Siegergruppe. Bei Gleichstand gewinnt das schwerere Wetter: Ein zu viel angezeigtes Gewitter kostet weniger als ein verpasstes.

„Modell-Einigkeit" ist keine Trefferquote

Die Prozentzahl auf der Startseite sagt: Wie einig sind sich die Modelle? Sie sagt ausdrücklich nicht: „Mit dieser Wahrscheinlichkeit trifft die Vorhersage zu." Ensemble-Streuung und tatsächliche Trefferquote hängen zusammen, aber die Zahl ist nicht darauf kalibriert — dafür bräuchte es eine jahrelange eigene Verifikation gegen Messwerte.

Sie setzt sich zusammen aus der Streuung der Werte (35 %), der Einigkeit beim Symbol (25 %), der Einigkeit beim Regen (20 %) und der Breite der Datenbasis (20 %), wobei die Bezugsstreuung mit dem Vorhersagehorizont wächst — dass Tag 7 unschärfer ist als Tag 1, ist keine Störung, sondern Physik.

Wenn Modelle ausfallen

Wettermodelle sind manchmal nicht erreichbar. Dann rechnet die Seite mit dem, was da ist — und sagt es. Bei zwei bis drei Modellen wird die angezeigte Einigkeit gedeckelt, bei einem einzigen ist sie auf 30 % begrenzt und die Quelle wird benannt. Eine einzelne Quelle darf hier nie stillschweigend maßgeblich sein. Und Tage ganz ohne Daten stehen sichtbar als solche da — die Woche wird nie klammheimlich auf fünf Tage verkürzt, damit es voll aussieht.

Was diese Seite nicht kann

Daten und Datenschutz

Die Wettermodelle werden über den Server dieser Seite abgefragt, nicht aus deinem Browser heraus. Deine Koordinate geht damit an einen Server statt an sechs Fremdanbieter. Die Antworten liegen auf ein Raster von etwa fünf Kilometern gerundet im Zwischenspeicher — zwei Menschen in derselben Stadt teilen sich also einen Abruf, und die gespeicherte Position ist bewusst ungenau.

Deine gemerkten Orte und der Verlauf liegen ausschließlich in deinem Browser (localStorage). Sie gehen nie an den Server, es gibt kein Konto und keine Kennung. Nach deinem Standort fragt die Seite genau einmal — beim ersten Besuch — und danach nur noch, wenn du den Knopf drückst. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Quellenangaben

Zwei Dienste für die Ortssuche sind kein Zufall: Open-Meteos Geocoding sucht ausschließlich nach Namen und antwortet auf „93047" mit einem leeren Ergebnis. Rein numerische Eingaben gehen deshalb an Nominatim, das Postleitzahlen kennt. Da eine Postleitzahl weltweit mehrdeutig ist — „80331" gibt es in München und in der Ukraine — wird das Land deiner Browsersprache in der Trefferliste nach vorn sortiert. Es entscheidet nur die Reihenfolge, nie was gefunden wird.

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